Kindermißbrauch und Kinderporno via Internet
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Gegen Heizkraftwerk oder Kinderporno - was ist wichtiger?
aus meinem Leserbrief im Pfaffenhofener Kurier vom 28.08.98
Jüngste Presseberichte über die Grausamkeiten der Kinderschänder in den Niederlanden. Zuletzt zwei Zeitungsartikel im PK zum Thema Kinderschutz (Flyer Kindermißbrauch und Infos-abend Filtersoftware) waren für mich Anlaß, darüber nachzudenken, ob sich die 700 Mitglieder unseres Bürgernetzverein Landkreis Pfaffenhofen eigentlich genügend bemühen, diese Negativ-Entwicklung des Internets mit konkreten Maßnahmen zu bekämpfen? Wir Bürgernetzler werben zwar für die Nutzung der modernen Kommunkationswege, zeigen aber aber keine Rezepte, Strategien bzw. Aktionen auf, wie man diesen Kinderschändern das Handwerk legen könnte.
Sicherlich wäre der Verweis bzw. der Weg zur Polizei mit einer Strafanzeige ein Lösungsansatz, der recht bequem ist und auch wunderbar zu unserer vertrauten, deutschen Paragraphen-Mentalität passen würde. Solange die Polizei dann nicht sogar gegen einen selbst ermittelt - als vermeintlich getarnten Päderasten - , hätte man somit seine Bürgerpflicht gottseidank erledigt, die Polizei würde vermutlich zu allererst den Internet-Computer unseres Bürgernetzvereins aus dem Netz reißen und das war's dann? Das macht nicht gerade Mut, zumal damit keine einziges Kind weniger geschändet wird.
In unserem Verein sind zwar eine viel Vielzahl wichtiger Mitglieder, wie z.B. die Gemeinden, der Landkreis selbst und diverse anderen Institutionen, aber ich vermisse konkrete Aktionen zur gemeinsamen Entwicklung neuer alternativer Strategien abseits der üblichen Straf- und Repressionsmustern. Strategien, mit denen wir Landkreis-Onliner im Rahmen einer gemeinsamen Aktion unter Ausnutzung der technische Möglichkeiten des Internets zeigen können, daß man gerade mit Hilfe dieser Technik gegen die Kinderporno-Produzenten und deren Grausamkeiten zurückschlagen kann? Wo bleiben unsere Techno-Freaks? Fast jeden Tag kann man zwar mittlerweile lesen, was Hackern wieder alles Geniales eingefallen ist, um z.B. einen weiteren NASA-Computer lahmzulegen. Könnte man stattdessen unsere ganze technische Rafinesse und Kreativität auch darauf verwenden, mal den Computer eines Kinderporno-Anbieters zu hacken? Ich selbst bin kein Techno-Freak und kann hier leider auch keine technischen Lösungen hinblättern, aber ich denke allein der Verweis auf Paragraphen greift hier nicht mehr ?
Ich habe kürzlich ca. 40 Mitglieder in unserem Verein per email befragt, was wir denn konkret nun tun könnten. Außer dem Veranstaltungshinweis (zur Filtersoftware) unseres Vorsitzenden war das Echo gleich Null! Daraufhin habe ich mit einigen (auch bekannteren) Mitgliedern persönlich telefoniert. Fazit: Das Thema hat zwar irgendwie alle betroffen gemacht, aber keiner findet Zeit / Priorität gemeinsam konkrete Strategien dagegen zu entwicklen, um diese Grausamkeiten zu verhindern.
Langsam beschleicht mich ein Gefühl der Resignation, weil die Wurzeln der Perversion letztendlich wohl in uns allen selbst zu finden sind? Internet hin oder her, solange eben nicht das eigene Kind betroffen ist, finden wir zwar Zeit für Bürgerinitiativen gegen/für Heizkraftwerke, aber die wirklich mißbrauchten Kinder bleiben wieder einmal auf der Strecke oder werden selbst eines Tages zum Täter? Gibt es Leser die ähnlich empfinden wie ich ?
Ich habe nun eine website mit den wichtigsten links zu dem Thema und den anonymen Meldestellen eingerichtet unter
home.pfaffenhofen.de/demokrates/antiporno
Erstellt von Jörg Bucher am 10.08.1998 zuletzt gändert am 24.08.1998