
Die schönsten Sagen, Legenden und Geschichten
Die
versunkene Raubritterburg Gerolseck
Die Schatzsucher
auf dem Schlossberg
Die
Schatzsucher am Aichmühl-Weiher
Das
gespenstische Grab bei Siebenaich
Das
Pestmarterl an der Strasse nach Singenbach
Die versunkene Raubritterburg Gerolseck
Auf der steilen Anhöhe jenseits des Gerolsbaches im sogenannten Aichmühler Wald stand einst eine Burg, die den Namen Gerolseck hatte. In ihr hauste mit seinen Spießgesellen der gefürchtete Raumritter Gerold. Ständig lauerte er von seiner Burg herab den Handelsleuten auf, den Tuchhändlern und Salzhändlern, die drunten im Tale mit schwerbeladenen Wagen vorbeizogen. Diese Straße verband nämlich die beiden reichen Kaufherrnstädte: Die Tuchmacherstadt Augsburg und die Salzhandelsstadt Regensburg. Wer glücklich am Gerolseck vorbeigekommen war, war noch lange nicht außer Gefahr. Ja, sogar außerhalb der baierischen Landesgrenzen war der Gerolsecker Raubritter gefürchtet. "Doch der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht", sagt ein Sprichwort. Der Gerolsecker Räuber kam von einem Raubzug nach Österreich nicht mehr lebend zurück. Man hat ihn dort unten erschlagen. Seine Burg wurde geschleift. Aus ihren Trümmern hat man im Jahre 1740 die Gerolsbacher Pfarrkirche erweitert. Die letzten Mauerreste der Räuberburg holte man ein Jahrhundert später nochmals zum Kirchenbau, denn im Jahre 1846 war das ganze Dorf Gerolsbach abgebrannt. An der Stätte des Frevels steht heute kein Stein mehr auf dem anderen, nur ein eingefallener Burggraben und die Namen "Schloßberg" und "Schloßgarten" erinnern an die schreckliche, geschichtliche Vergangenheit.
Man erzählt auch, daß die Raubritter in ihrer Burg Gerolseck ein sittenloses und gottloses Leben geführt haben und ihnen nichts mehr heilig war. In der Heiligen Nacht trieben sie es wieder einmal besonders arg. Während der heiligen Mitternachtsmesse machten sie im Rittersaal einen Tanzabend, entledigten sich ihrer Kleider und tanzten nackt umher. Dies war die Stunde des Unterganges der Burg. Samt ihren geraubten Schätzen versank die Burg im Boden. Dort, wo einst gottloses Geschrei, Flüche und Hohnlachen sich mit den Schmerzensschreien der Gefangenen mischten, rauscht heute der Wald.
Quelle: Wolfgang Ring, Schulleiter i.R., nach mündlicher Überlieferung
Entnommen dem Buch von Martin Sedlmeier "Die schönsten Sagen, Geschichten und Legenden aus dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm", erschienen 1974 im Verlag für Behörden und Wirtschaft, R.Alfred Hoeppner, Aßling
Die Schatzsucher auf dem Schlossberg
Man erzählte sich, daß an der Stelle der einstigen Raubritterburg Gerolseck bei Gerolsbach große Schätze, besonders Gold, vergraben seien. Schon immer hatten die Menschen eine Gier nach Gold, und so gingen auch einige Leute aus Gerolsbach -etwa ums Jahr 1870- zum Schatzgraben auf den Schloßberg. Mit Pickeln und Schaufeln gruben sie mehrere Meter tief. Schon glaubten sie, umsonst gearbeitet zu haben, als sie auf etwas Festes aus Holz stießen. Welch große Freude hatten sie, als sie plötzlich vor sich eine glänzende Truhe sahen! Schon wollten sie mit ihren bloßen Händen zugreifen, doch jäh wichen sie zurück. Mit Entsetzen sahen sie, wie eine dicke, schwarze Schlange mit feurigen Augen nach ihnen züngelte und mit ihrem Schwanz die Schatztruhe festhielt. Die Schatzsucher mußten mit Schrecken zusehen, wie die glänzende Truhe immer tiefer und tiefer im Boden versank. Schaudernd vor Furcht verließen sie den unheimlichen Ort und suchten, schnell aus dem Wald zu kommen.
Quelle: Wolfgang Ring, Schulleiter i.R., nach Erzählungen alter Leute
Entnommen dem Buch von Martin Sedlmeier "Die schönsten Sagen, Geschichten und Legenden aus dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm", erschienen 1974 im Verlag für Behörden und Wirtschaft, R.Alfred Hoeppner, Aßling
Die Schatzsucher am Aichmühl-Weiher
Im hinteren Aichmühlwald, nicht weit entfernt von der sagenhaften Raubritterburg Gerolseck, liegt ein kleiner Weiher. Dort -so erzählte man- wäre ein Schatz vergraben und nur um Mitternacht könnte man ihn sehen. Teils aus Abenteuerlust, teils aus Neugierde machten sich einmal einige Leute aus Kohlstatt mit dem Bruder meines Vaters nachts auf den Weg zum Weiher. Laternen und Windlichter, die sie bei sich hatten, gaben spärlichen Schein. Mit größter Spannung erwarteten sie den Augenblick der Erscheinung. Kaum hatte es die Mitternachtsstunde geschlagen, stieg tatsächlich aus dem Weiher ein Licht auf. Aber -o Schreck!- gleichzeitig verlöschten die Kerzen in den Windlichtern und Laternen der Kohlstätter. Ein heftiger Wind setzte ein. Aber mein Onkel, der ein beherzter, mutiger Mann war, ließ sich durch diese sonderbaren Ereignisse nicht erschrecken. Schnell versuchte er das geheimnisvolle Licht zu packen, aber im gleichen Augenblick fiel er bewußtlos zu Boden. Ein unheimliches Entsetzen erfaßte die Kohlstätter Schatzsucher. Sie fanden noch den Mut, den Bewußtlosen aus dem Wald nach Hause zu tragen. Erst nach zwei Tagen erwachte dieser aus seiner Ohnmacht. Die schaurige Begebenheit war meinem Onkel für sein ganzes Leben eine Lehre: Niemals mehr ging er auf Schatzsuche.
Quelle: Wolfgang Ring, Schulleiter i.R., nach der Erzählung eines alten Mannes aus Gerolsbach
Entnommen dem Buch von Martin Sedlmeier "Die schönsten Sagen, Geschichten und Legenden aus dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm", erschienen 1974 im Verlag für Behörden und Wirtschaft, R.Alfred Hoeppner, Aßling
Bei der großen Eiche zwischen Gerenzhausen und der Aichmühle war's nicht ganz geheuer. Einmal kam eine Köchin auf dem Heimweg von Gerenzhausen, wo sie auf der Stör war, an der Eiche vorbei. Plötzlich begegnete ihr hier der feurige Bachpudel. Vor Schreck zitternd warf sie dem Hund die vier Schuxen hin, die sie von der Bäuerin mitbekommen hatte. Der feurige Hund fraß sofort die Schuxen und lief dann über den Gerolsbach dem Walde zu. Bevor er aber im Wald verschwand, schaute er nochmals zu ihr zurück, während aus seinen Augen Feuerflammen züngelten.
Anmerkung: Schuxen sind Schmalnudeln.
Quelle: Wolfgang Ring, Schulleiter i.R., nach der Erzählungen alter Leute
Entnommen dem Buch von Martin Sedlmeier "Die schönsten Sagen, Geschichten und Legenden aus dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm", erschienen 1974 im Verlag für Behörden und Wirtschaft, R.Alfred Hoeppner, Aßling
Das gespenstische Grab bei Siebenaich
Wenn man von der Einöde Siebenaich nach Finkenzell geht, durchquert man einen kleinen Wald. In diesem befindet sich ein Grab mit sieben Soldaten aus Frankreich, die in der Schlacht bei Durchschlacht (Weiler zwischen Gerolsbach und Scheyern) gefallen waren. Alljährlich an ihrem Todestag erscheint über der Grabstätte eine Flamme oder ein sonderbares Licht, das manchmal die Gestalt eines ausgerüsteten Soldaten hat. Hierauf bricht im Wald ein heftiger Sturm los und ein Tosen, Lärmen und Krachen wie in einer Schlacht ist zu hören.
Quelle: Wolfgang Ring, Schulleiter i.R.
Entnommen dem Buch von Martin Sedlmeier "Die schönsten Sagen, Geschichten und Legenden aus dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm", erschienen 1974 im Verlag für Behörden und Wirtschaft, R.Alfred Hoeppner, Aßling
Das Pestmarterl an der Strasse nach Singenbach
Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt Gerolsbach schwerste Heimsuchungen und Drangsale. Mancher Bauer, der dem Tod durch Feuer und Schwert entronnen war, konnte noch über die Fluren gehen und säen. Aber zur Ernte kam ein anderer: Der unheimliche Sensenmann. Wie die Fliegen starben die Menschen dahin durch die schreckliche Pest und den Hungertod. In dieser Notzeit brachten gute Leute aus Singenbach, besonders der Singenbacher Pfarrer, den hungernden, kranken Leuten aus Gerolsbach Nahrungsmittel und Speisen. Diese stellen sie zur Abholung beim Pestmarterl nieder, denn niemand durfte wegen der Gefahr der Ansteckung sich den Pestkranken nähern. Als wieder einmal der Pfarrherr von Singenbach auf dem Platz beim heutigen Pestmarterl stand und die Speisen niedergestellt wurden, geschah etwas ganz Besonderes: Beim üblichen Segen des Singenbacher Priesters hob auch der Heiland im Marterl seine Hand zum Segen. Am anderen Tag war die furchtbare Pest vergangen.
Quelle: Wolfgang Ring, Schulleiter i.R.
Entnommen dem Buch von Martin Sedlmeier "Die schönsten Sagen, Geschichten und Legenden aus dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm", erschienen 1974 im Verlag für Behörden und Wirtschaft, R.Alfred Hoeppner, Aßling
Die Mägde auf dem Felberhof waren einmal mit dem Aussuchen von Obst beschäftigt. Dabei geschah es, daß ein ganz kleines schwarzes Käferlein einer der Mägde in den Mund krabbelte. Aber die Magd -sie war erst 15 bis 20 Jahre alt- achtete gar nicht darauf und arbeitete weiter. Schon nach wenigen Tagen zeigte sich das Mädchen in seinem Wesen so verändert, daß man es nicht mehr auf dem Hof behalten konnte. Man brachte es daher in ihr Elternhaus zurück. Dort war eine Schwester zugegen, die ebenfalls vom Teufel besessen war. Sie wohnten im Bauernschreiner-Anwesen. Allen Leuten, die sich den beiden Mädchen näherten, warfen sie ihr ganzes Sündenregister vor. Man beschloß, die beiden Besessenen zum nahegelegenen Kloster Scheyern zu bringen. Natürlich gehörte zu solch einer Fahrt großer Mut. Der Schmiedhofer, ein schneidiger und mutiger Mann -er wohnte im heutigen Rießanwesen- erklärte sich bereit. Er lud die beiden Mädchen auf ein Pferdefuhrwerk und fuhr mit seiner unheimlichen Last los. Aber schon am Fuß des Scheyrer Klosterberges konnten beide Pferde den Wagen nicht mehr ziehen. Daher holte man einen Pater des Klosters. Dieser segnete die beiden besessenen Personen. Jetzt erst waren die Pferde imstande, den Wagen zu ziehen. Das Gefährt kam gut in Scheyern an. Hier wurde durch Besprechung der böse Geist ausgetrieben.
Quelle: Wolfgang Ring, Schulleiter i.R., nach einer Mitteilung alter Leute
Entnommen dem Buch von Martin Sedlmeier "Die schönsten Sagen, Geschichten und Legenden aus dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm", erschienen 1974 im Verlag für Behörden und Wirtschaft, R.Alfred Hoeppner, Aßling