Einer der auszog um sich ein Flugzeug zu bauen

Zum Vergrößern auf die Fotos klicken !


Wie man sich einen Virus einfängt !!!!!

Es fing ganz harmlos an; wirklich.

Nach dem ich den PPL gemacht hatte, charterte ich wie viele andere auch. Ein Flugzeug selbst bauen, darauf wäre ich nie gekommen, hier in Deutschland geht das sowieso nicht, dachte ich wie die meisten Leute hier im Land.
Ich hatte das BZF II ( die Berchtigung zum Flugfunkverkehr in deutscher Sprache) und wollte irgend wann das BZF I (Englisch) machen. Dazu wollte ich mein Englisch aufpolieren, und was eignet sich dazu besser als englischsprachige Zeitungen zu lesen. Am besten natürlich Fliegerzeitungen! Ich fuhr ja sowieso mit dem Zug von Ingolstadt nach München zur Arbeit. Also in den Bahnhofskiosk und mal schaun was es da so gibt.
Die einzige englische Fliegerzeitung hieß "Kitplanes". Keine leichte Kost, ohne Wörterbuch ging hier schon gar nichts, und ich war erstaunt, wie viele technische Fachbegriffe ich in meinem normalen Wörterbuch finden konnte.
Diese Zeitung befasst sich mit dem Selbstbau von Flugzeugen. Da wurde schon sehr detailliert beschrieben, z.B wie man einen Motorträger baut, oder eine Tragfläche berechnet. Tja Amerika, da geht sowas.

Das Fliegermagazin kaufte ich auch regelmäßig. Da gibt es monatlich einen Testbericht von irgend einem Flugzeug.
Auch der Breezer war mal an der Reihe. Am Ende des Artikels stand da man könne die Maschine auch als Bausatz erwerben.
Moment  ?!?!     Bausatz heißt selbst bauen, hier in Deutschland. Aber darf man das? Am Flugplatz fand ich schnell eine Antwort:

"Ja man darf.!!!!"

Der Breezer als Experimentalversion, über 250 kg Zuladung (ich hab selbst schon 90) die anderen Daten gefielen mir ebenso, und ein schöner Flieger ist er schon. Und ein Bastler bin ich sowieso. Und billiger kommt es auch.
Und eine große Garage hab' ich auch,
und
und ...

Ich sagte zu meiner Frau, ich würde mir gern ein Flugzeug bauen, so ein großes zum rein sitzen. Was hältst du davon?
"ja, wenn es dir Spaß macht, dann bau dir eines" war die kurze angenehme Antwort. Später erfuhr ich von ihr die Wahrheit!
"Spinn du nur weiter, der Anfall geht schon wieder rum!!!!" Ja so dachte sie wirklich. Und von Viren hatte sie wohl auch wenig Ahnung. Ich war nämlich inzwischen längst infiziert. Und wir waren frisch verheiratet, scheinbar kannte sie mich doch noch nicht so richtig ???? Aber wer kennt seinen Ehepartner überhaupt genau ??

Friedrichshafen die Fliegerausstellung, und Aerostyle (der Bausatzhersteller) war natürlich auch vertreten. Da muß ich, nein da müssen wir selbstverständlich hin.
Und da stand er nun vor mir, mein Traum.
Auch die OUV die Oskar Ursinus Vereinigung, die sich die Förderung des Selbstbaus von Fluggerät auf ihrer Fahnen geschrieben hat war mit einem Stand vertreten. Hier wurde ich über die Rechtliche Seite aufgeklärt.
Ja so schlimm ist das ja gar nicht, nein eigentlich ist es ja gar nicht schlimm! Das heißt wo ist das Problem?!

Die Inkubationszeit war abgelaufen! Die Krankheit brach voll aus.

Im Herbst bestellte ich dann den Kit.


Die WartezeitIch überbrückte ich mit allerlei Vorbereitungen. Wie lackiere ich das Flugzeug denn überhaupt.?
Es soll in der Luft gut gesehen werden!
Wenn man aus einem Flugzeug nach unten schaut, herrschen Grün- Blau- Grautöne vor. Die Oberseite soll deshalb gelb oder Rot sein, um sich ab zu heben.
Ich hab mich dann für einen warmen Gelbton entschieden. Die Unterseite soll Dunkel sein, um einen Kontrast gegen den Himmel zu bilden.
Ich holte mir dann aus dem Internet ein geeignetes Foto und lackierte es mit einem Grafikprogramm um.
Nach längrem Experimentieren kam dann folgendes dabei raus.

Designstudie

Ja so etwa soll der Vogel ausschauen !!


Allein ist es imm Himmel nicht schön

Vielleicht gibt es irgendwo ein paar junge Burschen die gern mitbauen wollen ?!
Ich machte ein kleine Plakat.
"Wir bauen uns ein Flugzeug, mach mit" darunter obiges Bild wie der Vogel ausschauen soll und eine kurze Beschreibung.
Dieses Plakat hängte ich hier in Ingolstadt in der Realschule auf, und tatsächlich es meldete sich so ein Bursche bei mir.
Der Beginn einer Freundschaft. Tobias heißt er und war damals 15 Jahre alt. Ein begeisterter Modellbauer.

Hier bei der Arbeit.

Tobi bei der Arbeit

Jetzt geht’s los!

Bauvorbereitung:

Als erstes wurde ein Tisch 5 m x 1,2 m verwindungssteif und in der Höhe einstellbar angefertigt. Tisch diagonal in der Doppelgarage so aufgestellt, dass man herumgehen kann. Tisch genau im Wasser ausgerichtet, und die Auflagepunkte am Boden markiert.

Werkstatt mit Regalen und Maschinen eingerichtet.

Baubeginn März 2002

Bau der Klappen

Mittellinien an allen Rippen aufgezeichnet.
Seitenruderklappe angefertigt
Höhenruderklappen angefertigt
Querruderklappen angefertigt
Landeklappen angefertigt
Höhenleitwerk angefertigt.
Abnahme der bisher gefertigten Teile durch den Prüfer H. Glockshuber

Da die Hauptholme noch nicht geliefert waren wurde statt mit den Tragflächen mit dem Rumpf begonnen.

Rumpfrohbau:

Die Bleche des Rumpfrückens auf dem Arbeitstisch auf Abstandshölzern ausgelegt entsprechend Anleitung eingemessen und am Tisch fixiert.
Bleche mit den Aluprofilen verbohrt und mit Clecos fixiert.
Stosstellenverstärkung angefertigt und verbohrt.
Stringerprofile verbohrt und mit Clecos gesichert.
Rumpfrückenblech gedreht, dass die Profile nach oben schauen.
Hilfsvorrichtung zur Montage der Seitenteile angefertigt.
Seitenbleche mit Rumpfrückenblech ausgerichtet.
Seitenbleche mit Aluprofilen verbohrt, und mit Clecos fixiert.
Aluprofile für den späteren Flugzeugboden angepasst und verbohrt.
Rumpfboden angepasst und mit den Profilen verbohrt.
Alle Löcher auf 3,1 mm aufgebohrt, zerlegt, entgratet und mit 3mm Clecos ohne Bodenblech wieder zusammengefügt.
Stringerprofile verbohrt und mit Clecos gesichert.
Bodenblech mit Clecos eingebaut und Rumpf gedreht.
Rumpfrücken abgenommen.
Trennwand hinter den Sitzen eingemessen und eingepasst.
Verbohrt und mit Clecos fixiert.
Landeklappenwelle angepasst, die Lagerböcke entsprechend dem Wellendurchmesser aufgeweitet. Mit der Trennwand verbohrt und provisorisch montiert.
Brandschott angepasst und mit Clecos eingebaut
Alle Nietlöcher auf 3,1 mm aufgebohrt, entgratet und wieder zusammengefügt.
Sitzschalen vorgefertigt.
Die Verstärkungen für die Gurtbefestigung angepasst. Sitzschalen an den Rumpf angepasst und verbohrt. Die Vorderseiten konnten noch nicht angepasst werden, da die Holmbrücke noch nicht vorhanden war.
Seitenleitwerkshauptholm mit Senkel genau ausgerichtet, verbohrt und mit Clecos gesichert. Seitenleitwerkshilfsholm so wie die Spannten angepasst und verbohrt.
Für den weiteren Rumpfausbau war die genaue Lage der Holmbrücke erforderlich.
Diese konnte aber erst beim Anpassen der Tragfläche genau festgelegt werden.
Der Rumpf konnte nun weitgehend vernietet werden.
Der Rumpfbau wurde nun unterbrochen, da inzwischen die Lieferung der restlichen Teile eingetroffen war.

Tragflächenbau:

Hauptholm auf dem Tisch mit Schraubzwingen fixiert.
Mittellinie auf die umgeschlagenen Seiten der Rippen angebracht
Die Rippenbleche mit dem Holm verbohrt und mit Clecos fixiert.
Hilfsholm mit Rippenblechen verbohrt und mit Clecos fixiert.
Ein Stützbrett entsprechend der Anleitung angefertigt.
Das Tragflächengerippe auf den Rücken gedreht und am Tisch fixiert
Dabei wurde das angefertigte Brett unter den Hilfsholm gestellt und mit Holzschrauben angeschraubt.
Die untere hintere Beplankung angefangen von aussen mit den Rippen verbohrt.
Mit Clecos gesichert.
Das Gleiche mit den bereits vorgebogenen vorderen Beplankungsblechen.
Das Rippenskelett mit der Beplankung wieder in Normallage zurückgedreht und auf Holzriegeln gelagert. Stringerprofile eingebaut. Während des Baus stellte sich heraus, dass die Löcher in den Blechen dank Lasertechnik so exakt gebohrt sind, dass man hier mit einer Schablone arbeiten konnte. Das beschleunigte den Bau sehr stark.
Auch für das Verbohren der Rippen konnte ich Schablonen verwenden was nicht nur dem Baufortschritt sondern auch der Exaktheit der Bauausführung zu gute kam.
Die Scharnierbeschläge wurden mit dem Hilfsholm verbohrt und mit Clecos fixiert.
Die vorgefertigten Bohrungen waren so genau, dass die Ruder ohne die geringste Nacharbeit befestigt werden konnten.
Umlenkhebel für das Querruder eingepasst, und verbohrt.
Abweichend vom Bausatz wurde noch ein Winkel mit aufgeschweisster Mutter eingebaut, in die später Verzurrösen eingeschraubt werden können.Die Beschläge für die Befestigung an der Holmbrücke wurden eingepasst, verbohrt, entgratet und mit M8-Schrauben montiert. Die Muttern wurden mit dem geforderten Drehmoment angezogen.Alles auf 3,1 bzw. 4,1mm aufgebohrt, entgratet und teilweise vernietet.

Hier ein paar Bilder

  Tragfläche

Tragfläche

Die Tragfläche wurde zur Begutachtung durch den Prüfer noch nicht geschlossen.

Mit der 2. Tragfläche wurde genau so verfahren.

Nachdem beide Flächen soweit vorgefertigt waren;

Abnahme der Tragflächen durch Herrn Glockshuber.

Vor dem Schließen wurden sie noch innen mit Korosionsschutzfarbe lackiert.

Da ich mit dem Flugzeug später vorhabe auch über größere Wasserflächen zu fliegen, stellte ich aus Styropor Formteile her, und füllte damit die Zwischenräume zwischen den Rippen. Diese Teile haben bei einem Gewicht von 6 kg ein Volumen von ca. 600 l. Ich hoffe damit, dass das Flugzeug bei einer eventuellen Notwasserung nicht untergeht !

Die Tragflächen wurden jetzt geschlossen und vernietet.

Herstellen der Holmbrücke:

Die Teile der Holmbrücke wurden mit einander verbohrt, die Bohrungen für die Flächenbeschläge wurden in der Ständerbohrmaschine auf 9,5 mm gebohrt und dann auf 10 mm aufgerieben. Die Bohrungen für die Fahrwerksbeschläge wurden vorgebohrt.
Am Rumpf wurden die Durchbrüche für die Flächenbeschläge ausgesägt und gefeilt.

Anpassen der Tragflächen an den Rumpf.

Der Rumpf wurde vor der Garage auf Böcken gelagert der Rumpfrücken eingebaut und genau im Wasser ausgerichtet.
Die Holmbrücke wurde in den Rumpf gestellt und die Flächenbeschläge montiert.
Jetzt konnten die Tragflächen angebaut werden.
Jetzt wurde die Symmetrie des Ganzen überprüft. Man hätte hier durch Unterlegen von Blechen noch Korrekturen vornehmen können. Es war aber nicht nötig. Eine auf den Rumpf gelegte Meßlatte hatte exakt den gleichen Abstand zu den Tragflächen.
Nun wurden noch die Tragflächenunterkanten an den Rumpf angepasst und die Hilfsholmbeschläge mit der Trennwand verbohrt. Vorher wurde noch der Abstand zwischen dem äußeren hinteren Eck der Tragfläche und den hinteren Ecken am Rumpfende genau eingestellt.

Hochzeit

Hochzeit

Hochzeit

Jetzt konnte die Holmbrücke mit dem Rumpf verbohrt werden.

Hochzeit

Die Durchbrüche für die Landeklappenansteuerung wurden ausgeschnitten.
Die Flächen wurden wieder abgebaut, und gelagert.

Rumpfausbau

Der Rumpf kam nun wieder in die Garage.D
ie Winkelprofile, die die Auftriebskraft in den Rumpf einleiten wurden verbohrt.
Die Sitzschalen konnten eingebaut werden.
Die Ruderpedale wurden eingebaut. Die Lagerböcke auf den Rohrdurchmesser aufgeweitet.
Die Führungen der Steuerseile für das Seitenruder wurden eingebaut.
Eine Sitzprobe ergab, dass der Abstand zu den Seitenruderpedalen zu gering war.
Ich baute die Pedale wieder aus, und versetzte sie um 8 cm nach vorne. Die Sitzhaltung ist nun viel ergonomischer.
Die Steuerkonsole für Höhen- und Querrudersteuerung wurde eingebaut.
Abweichung vom Bausatz:
Beim Bausatz wird das Deckblech das den Fußraum abdeckt eingenietet. Es ist einteilig.
Das Rettungssysten der UL-Version liegt oben flach auf diesem Blech. Die Ausschussrichtung geht zur Seite.
Da das Rettungssystem für das Experimentalflugzeug erheblich größer ist reicht der Platz dafür nicht aus. Ausserdem ist es meines Erachtens auch besser, wenn die Rakete senkrecht nach oben schießt.
Das Rettungssystem wurde senkrecht hinter das Brandschott montiert. Und mit einem Blechmantel umgeben. Im Deckblech musste ein entsprechend großer Ausschnitt gemacht werden. Da im Fußraum auch technische Einrichtungen untergebracht werden müssen (Kraftstoffpumpe, Heizungssteuerung) entschloss ich mich, das Blech nicht einzunieten, sondern zu schrauben.
Da durch den Ausschnitt die stabilisierende Wirkung des Blechs verringert wird, habe ich als Ersatzmaßnahme ein Fachwerk aus Aluwinkeln eingebaut. Siehe Foto.

Fachwerk

In diese sind Einnietmuttern eingebaut, mit denen das Blech verschraubt wird.
Als später der Tank geändert, oder die 2. Kraftstoffpumpe eingebaut wurde (dazu später mehr), war ich froh, dass diese Konstruktion so servicefreundlich ist.

Belastungstest:

Vorbereitung:

Herstellen eines stabilen Lagerbockes, der die Gesamtlast aufnehmen konnte.
Der Belastungstest wurde unter Aufsicht von Herrn Glockshuber (Prüfer) vorgenommen.
Zuerst wurde der Rumpf mit der Holmbrücke auf den Bock gelagert.

Lagerbock

Das Heckteil wurde höher gelagert, so dass die Last unter einem Winkel von 15° auf die Brücke wirkt. Die Tragflächen wurden angebaut und dann die Messpunkte entsprechend dem Beladungsplan definiert und markiert.
Jetzt wurden an diesen Punkten die Abstände zum Boden gemessen, dabei wurde der genaue Messpunkt auch am Boden markiert.
Nach dem die Tragflächen gegen Kippen mit 2 Wagenhebern gesichert wurden, wurde die Last entsprechend dem Plan aufgelegt.

Belastungstest

Wagenheber

Belastungstest

Die Wagenheber wurden langsam abgesenkt. Nachdem die Flächen frei hingen, wurden die Abstände wieder gemessen.
Eine erneute Messung erfolgte nach dem Ablasten.

Belastungstest

Hängt frei

Nachmessen

Die Differenz zur Anfangsmessung, die sich dabei ergab, kommt daher, dass die Verschraubungen der Tragflächenbefestigungen in die "Sättigung" gingen.
Herr Glockshuber erklärte, dass der Test erfolgreich war.

Jetzt war eine Rund Sekt fällig.

Sekt für meine Freunde

Die Tragflächen wurden wieder abmontiert, und der Rumpfausbau fortgesetzt.
Die Mittelkonsole, der Sumpftank, die Kraftstoffpumpe, Kraftstoffleitungen wurden eingebaut.
Hauptfahrwerk und Bremsanlage eingebaut.
Landelkappenantrieb fertig gestellt.
Abweichend vom Bausatz ist der Gashebel in die Mittelkonsole eingebaut.
Der Motorträger, Motor mit Getriebe und Auspuff sowie das Bugfahrwerk wurden eingebaut. Der Propeller wurde noch nicht montiert.
Kabelbaum wurde Installiert.

Instrumentenbrett: 

Versuche zur günstigsten Anordnung der Instrumente mittels Pappscheiben.
Ausschneiden der Durchbrüche für die Instrumente. Einbau der Schalter und sonstigen elektrischen Komponenten.
Verkabelung des Panels. Die Verbindung des Panels mit der Zelle erfolgt durch verschiedene Stecker, die nicht verwechselt werden können.

Instrumentenbrett

Nach dem das Flugzeug verkabelt ist, erster Motorprobelauf noch ohne Propeller mit Hilfe eines kleinen Tanks. Motor springt sofort an und läuft sehr ruhig. Ich bin erstaunt, hatte ich doch größere Vibrationen erwartet da der Motor nur 2 Zylinder hat.

Der große Schock:

Die original Bugradsteuerung konnte nicht realisiert werden, da genau dort, wo die Steuerstangen durch das Brandschott führen sollten das Rettungssystem eingebaut ist. Der Versuch, die Steuerung mittels Seilen, die unter dem Fallschirmpaket in Röhrchen geführt, zu realisieren stellte sich bei einer kurzen Probefahrt auf einem Abgesperrten Grundstück als nicht geeignet heraus. Die Laschen am Bugfahrwerk wurden in einem ungünstigen Winkel angelenkt, so dass sie sich sehr schnell verbogen. Das Flugzeug war nicht mehr steuerbar,

Abweichung vom Bausatz:

Die neue Konstruktion sieht folgendermaßen aus:

Es mussten 2 neue Durchführungen im Brandschott ausgeschnitten werden, und eine einigermaßen gasdichte Durchführung hergestellt werden. Die alten Durchführungen wurden abgedichtet und mit V2A-Blech vernietet. Die Steuerstangen werden statt innen, aussen an den Seitenruderpedalen befestigt und nach vorne durch das Brandschott geführt. Es wurden 2 Umlenkungen angefertigt und am Motorträger montiert. Am Bugfahrwerk wurde ein neuer Hebel, rechtwinkelig zu den vorhandenen Laschen, für die Anlenkungangeschweißt. Von dort gehen 2 Steuerstangen nach aussen zu den Umlenkungen. 

Bugradsteuerung

Umlenkung

Bugradsteuerung Umlenkung

Diese Lenkung zeigt beste Eigenschaften. Das Flugzeug ist sehr präziese zu steuern, und die Federwege werden, im Gegensatz zur Originallenkung praktisch nicht mehr auf die Pedale übertragen.

Abweichung vom Bausatz:

Ich erfuhr von Herrn Birkner Fa. HTC der die Kunststoffteile für den Breezer herstellt, dass es eine Möglichkeit gibt, die Randbögen der Tragflächen in Zusatztanks umzubauen. Ich schickte die Teile deshalb zurück, und bekam bald darauf die Tanks.

Leider stellte sich heraus, dass mit diesen Tanks der original Massenausgleich für die Querruder nicht realisiert werden kann. In den Randbögen wird nämlich normalerweise ine Aussparung angebracht, durch die das Gegengewicht ins Freie kann. Genau an dieser Stelle war aber jetzt die Tankinnenwand. 

Abhilfe.

Die äußere Tragflächenrippe wude um 3 cm nach innen versetzt, ebenso das äußere Querruderscharnier. Am Hilfsholm und an der unteren Tragflächenbeplankung wurde eine Aussparung angebracht. Jetzt konnte das Gegengewicht nach innen versetzt werden.
Die neuen Tanks der Fa. HTC tragen diesem Umstand Rechnung. Ein Tragflächenumbau ist nicht mehr nötig.

In die Tragflächen wurden je 2 Aluminiumrohre eingebaut. Eines für den Kraftstoff, und eines für die Tankbelüftung. (siehe Beschreibung Antriebsanlage.)

Zusatztank

Abweichung vom Bausatz:

Das original Breezer-Gepäckfach ist sehr klein. Da im Experimentalflugzeug die mögliche Zuladung höher ist, wurde ein größeres Gepäckfach gebaut.

Der Ausschnitt im Rumpfrücken wurde vergrößert. Auf Höhe der 2. Rumpfverstäkung wurde eine Sperrholzplatte eingebaut. Die Steuerorgane für Höhen- und Seitenruder, sowie für die Landklappen wurden verkleidet.

 Kofferraum

Der Rumpfrücken wurde montiert und zum Personenraum mit einer Sperrholzplatte versteift.
Die Kabinenhaube wurde angepasst und montiert.

Statt der Nylon-Lagerböcke wurden Kugellager eingebaut.

Der Haupttank wurde eingebaut.

Die Abdeckung über dem Tank/Rettungssystem wurde geändert.

Abweichung vom Bausatz:

Im Original ist für den Ausschuss des Rettungssystems lediglich die Haut der Verkleidung angeritzt. Das erscheint mir zu wenig. In der Verkleidung wurde mit der Stichsäge ein Ausschnitt angebracht. Unter diesen habe ich einen kleinen Rahmen laminiert, der fest mit der Verkleidung verbunden ist. In diesen Rahmen wird nun der ausgeschnittene Deckel eingelegt und mit ein paar kleinen Stücken doppelseitigem Klebeband fixiert. Das Ganze wird überspachtelt und verschliffen, so dass es nach der späteren Lackierung nicht mehr auffällt. Zusätzlich wurden noch 2 M3-Nylonschrauben angebracht.

Abweichung vom Bausatz:

Die Heizung wurde anders gebaut.
An der unteren Cowlinghälfte wurden 2 Naca-Einlässe einlaminiert. Von diesen gehen 2 Schläuche zu einem selbst hergestellten Luftmischer.

Wärmetauscher

Luftmischer

Der linke dieser Schläuche wird durch einen Wärmetauscher, der aus dem Original BMW-Ölkühler hergestellt wurde, geführt, wo die Luft durch das Motorenöl erwärmt wird. Auf eine Erwärmung durch den Auspuff wurde verzichtet. Der Luftmischer ist mit einem Servomoror steuerbar. Die Luft kann stufenlos zwischen warm und kalt eingestellt werden. Vom Mischer aus führt ein Schlauch in den Fußraum wo sie durch ein weiteres einstellbares Ventil zwischen Fußraum und Windschutzscheibe verteilt wird.

Lakierung des Flugzeugs. Die vorgeschribene Schrifthöher machte ein leichtes Abweichen von der Designstudie nötig. 

Nach der Lackierung wurde das Flugzeug am Garagenvorplatz probemontiert.

Punktlandung

Punktlandung

Die Flächen wurden wieder abgebaut und Das Flugzeug zum Flugplatz gebracht.

Endmontage am Platz.

Da steht er nun , in seiner vollen Pracht !!!!!!!

 

 

Am Flugplatz

Am Flugplatz

Am Flugplatz

Flugplatz

Es stellte sich heraus, dass die sündhaft teuren luftfahrtgeprüften Spannschlösser für die Seitenrudersteuerung nicht rostfrei !! sind. Sie wurden deshalb in den Innenraum verlegt. Auf Anordnung von Herrn Glockshuber wurden für die Seitenruderseile Rollen an der Holmbrücke und im Gepäckraum eingbaut Die Steuerkräfte wurden dadurch erheblich reduziert.

Endmontage des Propellers.

Bodenerprobung:

Triebwerkslauf zum Einlaufenlassen des Motors.
Erste Rollversuche:
Steuerung : Einwandfrei.
Bremsen: Wirkung ausreichend.
Betätigung mit der maximalen Kraft des Piloten ok.
Standschubmessung mit Umlenkung und Sandsäcken > 1,75 kN
Nach 10 minuten Vollgas (Lufttemperatur 35°C )wurde die Betriebstemperatur von 120° überschritten.
Bei 75% Leistung keine Temperaturüberschreitung.
Bei Lufttemperatur um 0° war die Öltemperatur auf konstant 120°
Der Motor hatte bei hoher Temperatur manchmal Aussetzer. Als Ursache wurde Dampfblasenbildung ermittelt. Diese entstehen nach der Entspannung hinter dem Druckminderer und sammeln sich im Sumpftank an. Nach Rücksprache mit Herrn Birkner liegt das an der älteren Tankkonstruktion bei der der Headertank und der Haupttank getrennt sind. Die neueren Tanks haben das nicht.
Ich baute die Tanks aus und fuhr, da ich beruflich sowieso in Norddeutschland zu tun hatte nach Hildesheim, wo der Tank umgebaut wurde.
Zwischen Haupt- und Headertank besteht jetzt eine bierdeckelgroße Verbindung. Die Dampfblasen können nun nach oben entweichen.
Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich eine 2. Kraftstoffpumpe sowie ein Benzinfilter vor den Pumpen eingebaut. Die Pumpen sind nämlich sehr empfindlich auf Fremdkörper.
Die Aussetzer traten nicht mehr auf.

Kompassüberprüfung

An der Tragfläche wurde , weit ab von eisenhaltigen Bauteilen ein Kompaß befestigt.
Das Flugzeug wurde um 360° in 30° Schritten gedreht.
Die Anzeige des Kompasses im Instrumentenbrett zeigte folgende Werte.
Fugzeugausrichtung Anzeige Ohne Strom Anzeige mit Strom

0 0 358
30 30 30
60 60 60
90 89 88
120 120 120
150 152 154
180 181 180
210 210 210
240 240 241
270 270 271
300 300 302
330 330 330

Das Flugzeug wurde vermessen.

Draufsicht:

Vermessungsskizze

Leitwerk von hinten

Vermessungsskizze

Die Zeichnungen sind nicht Maßstabsgerecht.

 

Tankinhalt:

Die Tankinhalte wurden durch literweises Befüllen ermittelt. Das Flugzeug stand auf einem ebenen Hallenboden.
Zunächst wurde der Haupttank mit ca. 1 Liter gefüllt. Der Motor wurde gestartet. Nach dem der Motor wegen Spritmangel stehenblieb, wurde die Restmenge durch Ablassen über das Drainventil ermittelt.

400 ml

Der Kraftstoff wurde in den Tank zurück gefüllt.

Dann wurde der Tank mit einem Messbecher 1-Literweise mit einem Messbecher gefüllt. Nach jeweils 5 l wurde der Messstab eingesetzt, und eine Mengenmarkierung gesetzt.

Der Schwimmer bewegte sich ab 15 Liter Tankinhalt. Das entspricht in etwa einer Restflugzeit von einer Stunde.

Der Gesamtinhalt beträgt 58 Liter. ohne Berücksichtigung eines Ausdehnungsraums.

Der Kraftstoff wurde wieder weitgehend abgelassen. Um Raum für den Umpumptest zu schaffen.

Die Tiptanks wurden vorgefüllt.

Das Wahlventil wurde auf den rechten Tank gestellt.

Die Umpumpe wurde eingeschaltet, bis sie anfing Luft anzusaugen .

Jetzt wurde der Tank 1-Literweise mit einem Messbecher gefüllt.

Ausfliegbare Menge: 28 Liter ohne Berücksichtigung eines Ausdehnungsraums

Restmenge im Tank 2 Liter.

Die gleiche Messung wurde auch mit dem anderen Tank ausgeführt, mit dem gleichen Ergebnis.

Eine eventuelle Ausdehnung des Kraftstoffes würde in den Haupttank erfolgen, so dass dieser bei vollen Tiptanks nicht ganz befüllt werden sollte, wenn das Flugzeug abgestellt wird.

Wenn die Maschine abgestellt wird, sollte die Kraftstoffmenge 55 Liter im Haupttank, sowie 2x 26Liter in den Tiptanks nicht überschreiten.

Das Umpumpen dauert 18 Minuten pro Tiptank. Die Umpumpe ist selbstansaugend.

Elektrik:

Es werden teilweise Multifuse-Sicherungen verwendet. Diese Bauteile, die nur 2 Drahtanschlüsse aufweisen, wurden in defekte Stecksicherungen eingelötet. Dadurch können sie , für den Fall, dass sie negative Eigenschaften aufweisen sollten, ohne Änderung der Verkabelung durch übliche Stecksicherungen ausgetauscht werden. Teilweise wurden diese Multifuse durch Indikatorlampen, die im Falle des Ansprechens aufleuchten ergänzt.

Diese Multifuse begrenzen im Kurzschlußfall den Strom auf einen ungefährlichen Wert. Nach Beseitigung der Überlastung gehen sie wieder in Normalbetrieb über. Die Funktion wurde durch Kurzschlußtests nachgewiesen. Im Praktischen Betrieb kam es zu keinerlei Ausfällen.

Generator. Der Generator ist selbsterregend ab ca. 1500 Motorumdrehungen/min
Die Leistung des Generatos ist mehr als ausreichend.

Für die Stromversorgung für den Fluglageanzeiger und den Wendezeiger muss erst noch ein Spannungswandler gebaut werden(400Hz Drehstrom) Die Instrumente wurden ausgekreuzt.

Zum besseren Ablesen der Ölstandsanzeige wurde am Motorträger eine Leuchte installiert. Diese leuchtet bei Einschalten des Hauptschalters und erlischt automatisch wenn der Motor läuft.
Alle Beschriftungen wurden angebracht sowie unzählige Kleinarbeiten ausgeführt.

Der Flieger wurde gewogen und die Schwerpunktlage errechnet.

Doku:

Das Flughadbuch (Bedienungsanweisung für das Flugzeug) Das nur in der Ultraleichtversion vorlag musste umgeschrieben werden.
Das hat schon etliche Stunden in Anspruch genommen.
Das Flugerprobungsprogramm musste aufgestellt werden.
Ein umfangreicher Baubericht wurde erstellt.
Von der OUV gibt es ein paar Fragenkataloge, die die Bauvorschrift JAR-VLA wiederspiegeln. Diese Fragen (ein paar Hundert waren es schon) mussten durchgegangen, und ihre Einhaltung im Flugzeug überprüft werden.
Schließlich soll der Flieger auch sicher sein.

Auflastung:

Das maximale Abfluggewicht beträgt bei der Experimentalversion des Breezers 580 kg. Da der Tankinhalt der Tiptanks die Tragflächen entlastet, kann das Gewicht dieses Kraftstoffs abgezogen werden. Die maximale Abflugmasse erhöht sich auf 611 kg.

Diese Maßnahme wurde sowohl mit Herrn Magnussen (Konstrukteur des Flugzeugs) als auch mit Herrn Sandmann (Gutachter ) abgesprochen.

Beide gaben grünes Licht.

Fortsetzung folgt.


Besucht doch auch mal folgende Seiten !!  
Breezer-Bautagebuch von Andreas Portner in der Schweiz
Breezer

OUV

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Roland Höser

Der Haderlump

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