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Was ist Phänologie
(mit freundlicher Genehmigung von
Hr. Bernhard Michels)
Die Wissenschaft, die sich mit den jährlich immer
wiederkehrenden periodischen Erscheinungen beschäftigt, nennt sich
Phänologie. Aus dem
griechischen übersetzt heißt das »Lehre von den Erscheinungen«
Phänologie, oder einfacher der Naturkalender, ist eines der
lohnendsten und interessantesten Kapitel für alle, die sich für und an der Natur
begeistern können. Beobachtungen und resultierende Erfahrungen sind fast
unerschöpflich.
Kein Jahr gleicht dem anderen, sagt man. Das hat seine
Berechtigung. Trotzdem rennen wir bei den ersten warmen Sonnenstrahlen im
Frühling hinaus in den Garten, um schon mal die Gartengeräte bereitzustellen. Am
21. März ist zwar Frühlingsanfang, es muss aber noch lange kein Frühling sein,
denn 6 Wochen Differenz zwischen den Vegetationszuständen in verschiedenen
Jahren sind keine Seltenheit. Es kann fatale Folgen haben, wenn man sich z. B.
nur nach den Aussaatzeiten der Samenpackungen richtet, ohne dabei die Natur zu
beobachten. Sehr viel verlässlicher als der altbekannte Kalender mit 4
Jahreszeiten in den 12 Monaten ist der »Naturkalender«, denn für Pflanzen ist
die Tageslänge und die Temperatur entscheidend und nicht das Datum.
In vielen geographisch wärmeren Gegenden haben die
verschiedenen Jahreszeiten ihren Rhythmus, von einem Tag zum anderen wird es
dauerhaft warm, Frühjahrsstürme und Regenzeiten sind relativ pünktlich. Bei uns,
in Mitteleuropa, ist das nicht so. Länger anhaltende Hochdruckgebiete sind in
der Regel eine Ausnahme, und die zuverlässigste Wetterlage finden wir im Herbst,
aber auch das nicht jedes , Jahr. Genauer sind hier die Naturbeobachtungen. Das
Jahreszeitempfinden wird in uns mehr durch die Schneeglöckchen und Weidenblüte,
Löwenzahnblüte, erntende Maschinen, reife Früchte und fallendes Herbstlaub
ausgelöst, und ist von Ort zu Ort und Jahr zu Jahr zeitlich völlig
unterschiedlich. Jede Jahreszeit hat in der Natur ihren eigenen,
unverwechselbaren Charakter und ihr eigenes Gesicht, die sich in den typischen
»Kennpflanzen« widerspiegeln, die uns ihrerseits Rückschlüsse auf das Klima in
der unmittelbaren Umgebung geben. Ob die Jahreszeiten in der Natur ihre Optima
erreicht haben, verrät uns nicht der Kalender, sondern nur die Natur selbst.
Diese »Eintrittszeiten« sind von Ort zu Ort verschieden. In 50 km Entfernung
erfreut uns schon die Apfelbaumblüte, wobei vor Ort erst die ersten grünen
Knospen zu sehen sind. Wer sich nach den Naturkalender richtet und zudem noch
das Wetter beobachtet, kann im Garten eigentlich kaum mehr Fehler machen.
Die Eintrittszeiten phänologischer Phasen spiegeln alle
Umwelteinflüsse wider. Daher kann aus diesen Daten der Einfluss veränderter
Umweltbedingungen auf die Vegetationsentwicklung ermittelt werden. Langjährige
Datenreihen von Wildpflanzen haben dabei einen hohen Stellenwert, weil sie
Ausdruck der natürlichen Wachstumsbedingungen sind, einschließlich der
klimatischen Verhältnisse.
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Das Wort Phänologie kommt aus dem
Griechischen und bedeutet in wörtlicher Übersetzung "Lehre von den
Erscheinungen". Gemeint sind die periodischen Wachstums- und
Entwicklungserscheinungen aller pflanzlichen und tierischen
Lebewesen in ihren zeitlichen Abhängigkeiten. Die Phänologie
untersucht die Entwicklung der Pflanzen und Tiere im Jahresablauf,
indem sie die Eintrittszeiten auffälliger Erscheinungen notiert.
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Bei Pflanzen sind dies z. B. Daten für
Blattentfaltung, Knospung und Blüte, die so genannten phänologischen Phasen.
Phänologische Beobachtungen haben eine sehr lange Tradition. Die ältesten
phänologischen Aufzeichnungen der Kirschblüte stammen aus Japan und sind auf
das Jahr 705 datiert. Erwähnenswert sind auch die privaten phänologischen
Aufzeichnungen der Familie Marsham aus Schottland, die über sechs
Generationen hinweg von 1736 bis 1925 Pflanzenbeobachtungen durchgeführt
hat. Erste flächendeckende phänologische Beobachtungen gehen auf Initiative
des schwedischen Botanikers Carl von Linné zurück, der 1750 in Schweden ein
Beobachtungsnetz mit 18 Stationen einrichtete, das jedoch leider nur drei
Jahre lang Beobachtungen durchführte.
Das erste internationale phänologische Beobachtungsnetz entstand 1781. Es
war an die meteorologischen Beobachtungen der "Societas Meteorologica
Palatina" zu Mannheim geknüpft und umfasste 32 Stationen, die in einem
Gebiet von Nordamerika bis zum Ural und von Grönland bis zum Mittelmeer
lagen. 1792 wurden die Beobachtungen leider wieder eingestellt. Erst im Jahr
1882 gelang H. Hoffmann und E. Ihne ein Durchbruch in der Phänologie. Auf
ihre Initiative hin wurden seit 1883 nach einheitlichen Richtlinien
phänologische Beobachtungen in ganz Europa durchgeführt, die in einer
fortlaufenden Reihe bis 1941 veröffentlicht wurden. Um die Entwicklung der
Phänologie in Deutschland haben sich vor allem Fritz Schnelle und Franz
Seyfert verdient gemacht. Fritz Schnelle gründete u.a. die Internationalen
Phänologischen Gärten in Europa.
Während die Phänologie in den 1970er und 1980er Jahren eher ein
Schattendasein führte, erlangte sie weltweit in den 1990er Jahren einen
beachtlichen Aufschwung. Das erneute Interesse an phänologischen
Beobachtungen resultiert einerseits aus dem Bedarf an Bodenbeobachtungen zur
Eichung von Geofernerkundungsdaten. Andererseits führt der weltweit
beobachtete Anstieg der Lufttemperatur zu einer verstärkten Nachfrage nach
Indikatoren zur Beurteilung der Auswirkungen von Klimaänderungen in Natur
und Gesellschaft. Phänologische Beobachtungen sind hierzu prädestiniert.
(Quelle:
http://www.naturdetektive.de/2004/dyn/9.htm?url=4761.htm)
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