Es wird wärmer. Das kann jeder sehen, der genau hinschaut - und der
das Wachstum der Pflanzen und das Verhalten Tiere während der letzten
dreißig, zum Teil auch nur zehn Jahre beobachtet hat. Phänologie heißt
die Lehre, die sich mit den periodisch wiederkehrenden Wachstums- und
Entwicklungs-Erscheinungen in der Natur beschäftigt.
Mehr als 1.500 Pflanzenbeobachter erfassen in ganz Deutschland als ehrenamtliche Helfer des deutschen Wetterdienstes Austrieb, Blüte und Reifezeit bestimmter Pflanzen. Zusätzliche Daten liefern so genannte phänologische Gärten: Europaweit werden in ihnen geklonte, also genetisch identische Bäume angepflanzt, deren Austrieb und Blüte dokumentiert werden. Die Auswertungen seit 1951 lassen keinen Zweifel daran: Der Frühling kommt immer früher.
In der Phänologie werden die Jahreszeiten nach sehr feinen Kriterien unterschieden. So gibt es im Naturkalender zehn Vegetationsphasen - nicht nur vier, wie in normalen Kalendern üblich.
| Vorfrühling | Er beginnt, wenn Hasel und Schneeglöckchen blühen. |
| Erstfrühling | Schlehen und Löwenzahn stehen in voller Blüte. |
| Vollfrühling | Flieder und Apfel blühen. |
| Frühsommer | Der Klatschmohn färbt die Wegränder rot. |
| Hochsommer | Die Getreideernte läuft auf Hochtouren. Signalpflanze ist die Johannisbeere. |
| Spätsommer | Späte Getreidesorten werden geerntet. |
| Frühherbst | Jetzt findet man Herbstzeitlose und reife Birnen. |
| Vollherbst | Äpfel werden geerntet, es gibt reife Walnüsse und Eicheln. |
| Spätherbst | Das Laub wird bunt, die Rübenernte beginnt. |
| Winterruhe | Von Ende Dezember bis Ende Januar sammelt die Natur Kraft für das neue Jahr. |
Um 0,6 Grad ist es laut Klimamessungen in den vergangenen 100 Jahren unserer Erde wärmer geworden. Besonders hoch war der Anstieg im letzten Jahrzehnt. Viele unserer Pflanzen treiben und blühen deshalb im Frühjahr zeitiger und behalten ihre Blätter länger als noch vor wenigen Jahren. Die Vegetationsperiode, also die Zeit, in der Pflanzen wachsen können, ist europaweit in den vergangenen 30 Jahren durchschnittlich um elf Tage länger geworden. Birken etwa treiben jetzt neun Tage früher aus als noch vor 30 bis 50 Jahren. Bei Schneeglöckchen und Forsythien hat sich die Blüte um 16 Tage nach vorne verschoben.
Rückschlüsse auf eine Klimaveränderung lassen nicht nur Pflanzenbeobachtungen zu, auch viele Tiere passen sich den kürzeren Wintern an. Verschiedene Amphibienarten wie der Laubfrosch laichen immer früher, in Südeuropa beheimatete Tiere wie die Feuerlibelle wandern mehr und mehr nach Mitteleuropa ein. Besonders deutlich kann man den Einfluss des milderen Klimas auf Vögel ablesen: Viele Vogelarten brüten heute sechs bis 14 Tage früher als noch vor 30 Jahren. Zugvögel, vor allem Kurzstreckenzieher, kehren früher aus ihren südlichen Winterquartieren zurück. Einige Vögel verkürzen auch ihre Zugstrecken oder überwintern sogar zunehmend bei uns. Ein Beispiel dafür ist der Star.
Höhere Temperaturen haben für einige Pflanzen und Tiere nicht nur Vorteile. Zwar können Pflanzen in einer verlängerten Vegetationszeit länger wachsen und somit auch mehr Biomasse produzieren. Fehlen aber zur Blütezeit die bestäubenden Insekten, könnten bestimmte Arten schnell ins Hintertreffen geraten. Manche Arten könnten sogar aussterben - die Struktur von Pflanzengemeinschaften würde sich verändern.
Im Vogelreich hat man beobachtet, dass Kurzstreckenzieher ihre Zugentfernungen stärker verringern als solche, die weiter weg, etwa im südlichen Afrika überwintern. Sie kehren früher aus ihren Winterquartieren zurück und können die besten Brutplätze belegen - ein Konkurrenzvorteil gegenüber Langstreckenziehern.
Deutscher Wetterdienst
Informationen zu Phänologie und darüber, wie man ehrenamtlicher Pflanzenbeobachter werden kann.
www.dwd.de/...
Lehrstuhl für Ökoklimatologie
Technische Universität München
Tel.: 08161 / 714740
www.forst.uni-muenchen.de
Fachartikel im Magazin LWF aktuell
Heft 37/2003
zu beziehen über die Bayerische Landesanstalt f. Wald- und Forstwirtschaft,
Frau Naderer
Tel.: 08161 / 714908
www.lwf.bayern.de/...
Institut für Meteorologie und Klimaforschung
Kreuzeckbahnstr. 19
D-82467 Garmisch-Partenkirchen
Tel.: 08821 / 183-100
www.fzk.de